Pätzug / Hertweck: „Fisimatenten“ – Finissage am 5.7.!

Vor dem großen Schaufenster der KHW können Betrachter*innen noch bis zum 5. Juli in eine „Garage“ blicken. Dafür öffnet sich ein Schwingtor und gibt die Sicht in die Kunsthalle frei. Fast jeder kennt den Blick aus einer Garage, doch durch Standortverschiebung hinterfragen Pätzug / Hertweck in der neuen Ausstellung die Position der Passanten.

Der Ausstellungstitel „Fisimatenten“ geht zurück auf den französichen Satz “Visite ma tente“ („Besuch mein Zelt“), mit dem Soldaten während der napoleonischen Besatzung Damen in ihr Zelt einluden.

Im zweiten Schaufenster dreht sich ein Zelt, das jedoch nicht so einladend ist: stattdessen macht es athletische Verrenkungen und verdreht dabei seine Darstellung des Universums, die ihm aufgedruckt ist. Pätzug / Hertwecks Installationen beleben Dinge, in denen wir Festigkeit suchen, wie ein Zuhause oder die Sternbilder.

Durch diese Ding-Belebung werden Betrachter irritiert und gleichzeitig aktiviert, die Konstanten des Lebens zu hinterfragen. Der neue Kontext, in den Pätzug / Hertweck die Dinge unserer Alltagswelt stellen, lässt sie uns anders wahrnehmen. In der KHW gibt es ab dem 12.5. Gelegenheit, eine Garage und Zelt – beide verweisen auf das Zuhause – auf neue Weise zu betrachten.

Die Ausstellung ist für die Schaufenster konzipiert, kann aber am 12.5. ab 11 Uhr in Anwesenheit des Künstlerduos aus Berlin einmalig auch von innen betrachtet werden. Es besteht die Möglichkeit zum Künstlergespräch.

Irene Pätzug und Valentin Hartweck arbeiten seit 2011 zusammen und leben größtenteils in Berlin.

UPDATE, 12.5.19:

Die Eröffnung war ein „voller Erfolg“ (wie in der Gegend gern behauptet wird)! Bei Schwarzbrot mit Thymian&Honig, Mionetto und Oolong-tee wurden Innen- und Aussenräume lustvoll besetzt und durchblickt! Besonderen Dank an dieser Stelle den Besucherinnen aus Bochum und Bonn! Das Künstler*in-Gespräch hat weitere Einblicke in die Arbeit von Pätzug/Hertweck gebracht, die in sogenannter lockerer Atmosphäre (Impressionen s.u.) die Früchte ihrer knallharten Arbeit teilen und geniessen konnten – herzlichen Dank für die schöne Arbeit! Wir haben daher heute gemeinsam bereits eine Verlängerung der Ausstellung beschlossen, kurz: Sie und Ihre Freunde sind herzlich eingeladen zur Finissage am 5.7., 20 Uhr

in Anwesenheit des Künstlerduos mit Möglichkeit zum Künstlergespräch und einem

Konzert von Paul Michael von Ganski (Bremen, modular synthesizer).

Für das Duo Pätzug/Hertweck steht die spielerische Verunsicherung alltäglicher Raumerfahrung im Fokus der künstlerischen Auseinandersetzung.“ (Reinhold Oertel)

„Letzlich sind die Werke von Valentin Hartweck und Irene Pätzug gebaute und konstruierte Gedankenspiele“ (Dr. Andrea Brockmann

Die Borkener Zeitung berichtete von der Eröffnung:

Bericht der BZ … 2!

 

Danke an das Team von der BZ (Borkener Zeitung!), Claudia Peppenhorst (Foto/Video, Text 2) und Markus Schönherr (Schnitt / Text 1)!

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Agnes Sawer über die Arbeit des Künstlerduos im ART BLOG RUHR:

Der neue Kontext, in den Pätzugs / Hertwecks Garage und Zelt stellt, lässt uns die Dinge, die eigentlich unserer Alltagswelt enstammen, anders wahrnehmen. Ihre Form und Farbe, ihr Material, aus dem sie bestehen, treten stärker in den Vordergrund. Verlieren wir im Alltag die Details aus den Augen, so werden diese durch die Überführung in das neue Umfeld, die die Künstler vornehmen, ganz bewusst hervorgekehrt. Der Alltag ist, so definiert es Konrad Liessmann, ein „Ort für Gewohnheiten und Wiederholungen, für Routinen und Rituale, für standardisierte Handlungsabläufe und mechanisierte Verrichtungen.“ Im Alltag kehrt das Immergleiche wieder. Er kann „überhaupt als ein Ort beschrieben werden, in dem es in einem nahezu existenziellen Sinn um Wahrnehmungsreduktion, nicht um Wahrnehmungsschärfung geht. Gerade weil es um das Gewohnte geht, muss man in der Regel nicht so genau hinsehen oder hinhören.“, schreibt Liessmann (Konrad Paul Liessmann: Das Universum der Dinge. Zur Ästhetik des Alltäglichen, 2010, S. 24 f). Ganz anders lassen uns Pätzug/Hertweck profane Dinge wahrnehmen. Die Fokussierung auf einzelne Gegenstände evoziert ein Reflektieren, eine Auseinandersetzung mit den Dingen. In ihren Arbeiten steigern und schärfen Pätzug/Hertweck unsere Wahrnehmung des Unscheinbaren.

 

 

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